Sich Dinge so erschreiben, wie man sie gerne hätte, das ist gerade das Schöne am Schreiben

Mit ihrem Debütroman Im Ruin setzte Barbara Kadletz all jenen gemütlichen Wiener Lokalen ein literarisches Denkmal, in denen die Stammgäste auch noch spätabends ein ausgefallenes Frühstück zu sich nehmen und dabei musikalische Gustostückerln austauschen. Im Interview spricht die Autorin, die auch Buchhändlerin ist, über das Schreiben in Kaffeehäusern, das Vorlesen von Texten und darüber, welche Bücher sie selbst am liebsten liest.

Das Ruin ist ja so etwas wie eine Mischung aus Kaffeehaus und Bar. Gibt es da ein bestimmtes Vorbild, das du beim Schreiben im Hinterkopf hattest?

Nein. Ich denke, das ist ja gerade das Schöne am Schreiben, dass man sich die Dinge so erschreiben kann, wie man sie gerne hätte. Das Ruin wäre schon auch so ein Ort, an dem ich mich wohlfühlen würde, aber ich glaube, im wirklichen Leben gibt es meistens mehrere Lokale, in die man immer wieder gerne geht. Man würde wahrscheinlich nicht immer ins gleiche Lokal gehen wollen. Also ich weiß ungefähr, wo das Ruin ist, natürlich in Favoriten, aber auch in Favoriten weiß ich ungefähr, wo es wäre, aber es gibt jetzt kein Lokal, wo ich sagen würde, es sieht genau so aus.

Barbara Kadletz, Im Ruin, Edition Atelier 2021, 224 Seiten, € 22.

In der fiktiven Version eines Favoritner Wohlfühllokals mit Spezialisierung auf ausgefallenen Frühstücksvariationen, die bis in die späten Abendstunden serviert werden, finden sich zwei Verlorene, ohne einander gesucht zu haben.
Wie in einem Krimi legt die Autorin vorsichtige Hinweise aus, die in Katharinas und Aris Vergangenheit führen und zieht ihre Leser:innen dabei immer mehr in ihre Geschichte hinein. Eine Geschichte über Trauer, Selbstfindung, Freundschaft und Resilienz, mit großen Gefühlen und ganz viel Musik. 

Schreibst du gerne in Kaffeehäusern?

Ja, unbedingt! Meine Texte entstehen eigentlich immer im Kaffeehaus. Das musste ich mir in letzter Zeit leider ein bisschen entwöhnen, aber das von Hand schreiben im Kaffeehaus hat schon etwas ganz besonderes für mich. Zu Hause überarbeite ich die Texte dann am Computer aber die erste Version meiner Texte, Artikel und Theaterstücke schreibe ich immer von Hand. Im Kaffeehaus ist das alles einfach noch nicht so ernst, da bin ich irgendwie lockerer und da darf alles mal in meinen Notizzettel rein, da habe ich noch keinen Abgabetermin im Hinterkopf. Im Kaffeehaus ist alles noch verspielt.

Du bist ja auch Buchhändlerin. Wie ist das denn, jetzt einmal auf der anderen Seite zu stehen? Macht dir das Spaß?

Ja, schon sehr. Ich moderiere auch gerne. Ich liebe es einfach, andere Autor:innen kennenzulernen, gemeinsam Veranstaltungen zu machen und mit ihnen zu plaudern und etwas über ihre Arbeit zu erfahren. Aber es gefällt mir auch sehr, selbst vorzulesen. Ich finde es einfach aufregend, den eigenen Text zu lesen. Ich gehe auch gerne auf Lesungen und liebe es einfach, mir etwas vorlesen zu lassen. Wenn das gut gemacht ist, ist das der größte Genuss für mich. Wenn Autor:innen Lust haben, einen Text vorzulesen, kann man aus einem Text einfach noch einmal so viel herausholen, was beim Lesen vielleicht nicht immer so rüberkommt. Und man kann auch selbst noch einmal zeigen, wie man es gemeint hat.

Du liest ja selbst auch sehr gerne. Gibt es da Genres, die dich besonders ansprechen?

Ich habe ja das Glück, dass ich mein Hobby zu meinem Beruf machen konnte. Als Buchhändlerin muss ich prinzipiell aus jedem Genre etwas lesen aber im Urlaub lese ich sehr gerne Klassiker. Ich habe auch ein bisschen eine Schwäche für Autofiktionales und Science Fiction mag ich auch ganz gerne.

Und wie geht es mit deinem eigenen Schreiben weiter? Hast du schon das nächste Romanprojekt in Planung?

Das ist natürlich eine Zeitfrage. Momentan schreibe ich mit meiner Kollegin Ursula Knoll noch mein zweites Theaterstück fertig, das vielleicht noch diesen Herbst im Kosmos Theater aufgeführt werden kann. Dann arbeite ich parallel an einer Kurzgeschichten-Sammlung, wo immer wieder auch eine Geschichte dazukommt. Und ein neues Romanprojekt habe ich auch, aber da brauche ich einfach noch Zeit. Ich denke, wenn die anderen Projekte abgeschlossen sind, werde ich daran weiterarbeiten.


Barbara Kadletz, geboren 1981, lebt und arbeitet als Buchhändlerin in Wien. Wenn sie nicht die Bücher anderer verkauft, schreibt sie an ihren eigenen Texten oder spricht über Literatur – als Moderatorin, Rezensentin oder in ihrem wöchentlichen Blog »Das Buch zum Wochenende«. Bisher Veröffentlichungen von Theaterstücken und Kurzgeschichten. 2. Platz beim FM4-Literaturwettbewerb Wortlaut 2018, Shortlist für den Buchblog Award 2019 & 2020.

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