Lyrik ist ein breites Experimentierfeld: Im Gespräch mit Erwin Uhrmann

PODCAST 27. April 2021

Auf dem Gebiet der Lyrik gibt es immer etwas neues zu entdecken: kaum ein anderes literarisches Genre ist so lebendig und frei von einschränkenden Erwartungshaltungen. Dennoch gibt es nach wie vor viele, die Lyrik gegenüber ihre Vorbehalte haben. So lautet etwa ein gängiges Vorurteil, dass lyrische Texte zu abgehoben seien, um sie verstehen zu können. Auch in der Literaturkritik ist Lyrik nach wie vor unterrepräsentiert, obwohl sie gerade in den letzten zwei Jahrzehnten einen neuen Aufschwung erfährt.

Der Autor Erwin Uhrmann hat es sich mit der von ihm herausgegebenen Reihe Limbus Lyrik zur Aufgabe gemacht, die Vielfalt des lyrischen Schaffens in Österreich und über die Landesgrenzen hinaus aufzeigen. Seit September 2016 sind bereits 27 Bände von 24 Autor*innen, die sich Lyrik von verschiedenen Blickwinkeln auf vielstimmige Weise nähern, bei Limbus Lyrik erschienen. Wer sich die Reihe näher ansieht, erkennt auch sehr schnell, wie breit das Feld Lyrik gefächert ist. Während sich die neuesten Werke eher mit urbanen Themen auseinandersetzen und dystopische und utopische Töne erkennen lassen, gibt es auch zahlreiche experimentelle und intermediale Arbeiten, wie etwa die Zusammenarbeit des Lyrikers Alfred Goubran mit der japanischen Zeichnerin Kasaki Maruyama für den Band Technische Tiere (2019), der von Boris Manner kuratiert wurde, oder Thomas Ballhausens Das Mädchen Parzifal (2019), für den Chris Saupper die Bildredaktion übernahm.

Seit Beginn dieses Jahrhunderts erlebt Lyrik so etwas wie ein Revival – man könnte auch von einem ‚Blühen der Lyrik‘ sprechen. Damit einher geht auch die laufende Entwicklung neuer Vermittlungsformate, wie etwa die Poesiegalerie, eine Online-Plattform, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Lyriker*innen zu fördern und ihr Schaffen im virtuellen öffentlichen Raum sichtbarer zu machen. Durch neue Online-Formate und mit Hilfe von Social Media ergibt sich auch eine zunehmende Vernetzung unter Lyriker*innen, die sich in gegenseitigen Widmungen und kooperativen Projekten niederschlägt. Diese neuen Möglichkeiten, die durch Online-Veranstaltungen und Live-Streams weiter ausgelotet werden, bilden nicht zuletzt auch eine wichtige existenzielle Grundlage für die Autor*innen.

Die Vorurteile gegenüber Lyrik sind unbegründet, geht es doch beim Lesen vor allem darum, ein Gefühl für den Text zu bekommen, sich auf den Text einzulassen und sich angesprochen zu fühlen. Aufgrund der großen Bandbreite des Experimentierfeldes Lyrik ist sicherlich für jede und jeden etwas dabei, das Lust darauf macht, in den Klang der Sprache einzutauchen.

Im Interview für Das Litrophon gibt Erwin Uhrmann einen Überblick darüber, was Lyrik alles sein kann und erklärt, warum dieses Genre viel mehr Freiheiten genießt.

Lyrik ist ein breites Experimentierfeld Das Litrophon

Als Herausgeber der Reihe Limbus Lyrik ist Erwin Uhrmann bemüht, die ganze Bandbreite des Experimentierfeldes Lyrik sichtbar zu machen. Darüber hinaus ist er auch selbst als Autor tätig. Bisher erschienen von ihm die Romane Der lange Nachkrieg (2010), Ich bin die Zukunft (2014) und Toko (2019), die Erzählung Glauber Rocha (2011), der Erzählband Ostseeatem (gemeinsam mit Alexander Peer, 2010) sowie die Lyrikbände Nocturnes (mit Zeichnungen von Moussa One, 2012) und Abglanz Rakete Nebel (2016, mit Illustrationen von Julian Tapprich).
  1. Lyrik ist ein breites Experimentierfeld
  2. Weil ich ein Mädchen bin?
  3. Abenteuer Sprache
  4. Über Menschen und Maschinen
  5. Eine Jugend in Wien

Erwin Uhrmann (geboren 1978) lebt in Wien. Von ihm erschienen bisher die Romane Der lange Nachkrieg (2010), Ich bin die Zukunft (2014) und Toko (2019), die Erzählung Glauber Rocha (2011), der Erzählband Ostseeatem (gemeinsam mit Alexander Peer, 2010) sowie die Lyrikbände Nocturnes (mit Zeichnungen von Moussa Kone, 2012) und Abglanz Rakete Nebel (2016, mit Illustrationen von Julian Tapprich). Seit 2016 ist er Herausgeber der Reihe Limbus Lyrik. Von 2011 bis 2016 leitete er das Literaturprogramm des Essl Museums. Gemeinsam mit Johanna Uhrmann veröffentlichte er bisher drei Reisebücher. Soeben erschien sein Essay Die Ironie elementarer Ereignisse über Gregor Mendel und dessen Text Die Windhose vom 13. Oktober 1870 (im gleichlautenden Buch). Im Herbst 2021 erscheint das Buch zum radiophonen Kunstkopf-Hörstück K.O.P.F. (Kartografisch Orientierte Passagen-Fragmente), eine Zusammenarbeit zwischen Karlheinz Essl und Erwin Uhrmann.

www.erwinuhrmann.com

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