Vom schlechten guten Leben in Bella Italia

In ihrem neuen Roman beleuchtet Irene Diwiak die faszinierende Welt der Reichen und Schönen in Italien. Doch sie zeigt auch deren Abgründe. Im Interview erzählt die Autorin, warum sie ihrem Roman aus Versehen den perfekten Namen gab und wie sie sich Italien-Klischees für Malvita zu Nutze machte.

Dein Roman spielt in einem fiktiven italienischen Dorf namens Malvita. Dabei lebt es sich im Dorf gar nicht mal so schlecht, zumindest auf den ersten Blick. Wie bist du auf den Namen gekommen?  

Ich kann ja kaum italienisch. „Malvita“ war eigentlich ein eher plumpes Wortspiel aus den Wörtern „mala“ für „schlecht“ und „vita“ für Leben. In einem Kapitel wird erzählt, wie die Industrialisierung zu schlechteren Lebensbedingungen und somit zu dem Namen des Dorfes geführt hat. Allerdings hat mir eine italienischsprachige Freundin gesagt, dass man in diesem Zusammenhang wohl nicht das Wort „mala“, sondern „brutta“ verwenden würde. Als das Buch schon lange fertig war, habe ich jedoch erfahren, dass „Malavita“, also mit zusätzlichem „a“, so etwas wie „Unterwelt“ bedeutet. Und das passt ja wiederum extrem gut. Also habe ich Dorf und Roman eigentlich aus Versehen einen idealen Namen gegeben.

Wenn man deinen Beschreibungen folgt, bekommt man sofort ein wenig Fernweh. Was macht Italien die ideale Kulisse für den Roman? 

Mir gefielen die starken und durchaus gegensätzlichen Klischeebilder, die wir gerade im deutschsprachigen Sprachraum von Italien haben. Wer an Italien denkt, denkt an Urlaubsparadies und die Mafia, an „dolce vita“ und streng-patriarchale Strukturen, an Schönheit und Gefahren. Während der „Planungsphase“ des Romans haben sich selbstverständlich noch viele Details der ersten Idee verändert, aber der Ort der Handlung ist für mich von Anfang an fix festgestanden. 

In Malvita stehen „starke Frauen“ im Mittelpunkt, die Männer dagegen werden als eher „schwach“ dargestellt. Eine satirische Umkehr von Italo-Klischees?

Schon irgendwie. Wobei man hier natürlich darüber diskutieren kann, was eine „starke Frau“, „ein schwacher Mann“ ist. Meine Figuren sind alle in ihren „Rollen“ gefangen und schaffen es nie so richtig, aus ihren festgefahrenen Strukturen auszubrechen. Und am Ende scheitern ja auch alle irgendwie. Ich denke, es ist ein Roman, an den man mit vielen unterschiedlichen Lesarten herangehen und vieles diskutieren kann, aber genau das macht Literatur in meinen Augen ja so spannend. 

Der Roman gibt einen bitterbösen Einblick in die Welt der Reichen und Schönen. Gibt es etwas, etwa eine Serie oder Personen des Öffentlichen Leben, die dich inspiriert haben?

Wie schon bei „Liebwies“ gibt es hier keine konkreten Vorbilder, sondern viele. Im Fall von „Malvita“ standen vielleicht eher Filme als Bücher: Der Pate zum Beispiel, die ironischen Rachephantasien von Quentin Tarantino oder die Psychothrillers Hitchcocks. Aber dann ist es natürlich immer mein Anspruch, schon etwas ganz Eigenes daraus zu machen. Ich glaube, dass ich Verlagen und Buchhändler*innen damit keine Freude mache, marketingtechnisch ist eine klare Einordbarkeit von Vorteil. Vielleicht gibt es aber doch noch ein paar Leser*innen, die sich gerne überraschen lassen – denen seien meine Bücher auf jeden Fall empfohlen.

Dein letzter Roman, Liebwies, ist in der Welt der Musik Anfang des 20.Jahrhunderts angesiedelt, macht es dir Spaß, immer wieder in völlig neue Welten einzutauchen? 

Absolut. Wenn ich einen Roman oder ein anderes umfassenderes Werk fertiggeschrieben habe, brauche ich immer eine lange Pause. Und dann köpfle ich umso freudvoller in ein ganz neues, ganz anderes 


Irene Diwiak wurde 1991 in Graz geboren und wuchs in Deutschlandsberg/Steiermark auf. Sie studierte Komparatistik in Wien. Ihre Texte wurden bereits vielfach ausgezeichnet. 2017 erschien ihr erster Roman Liebwies.

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