Wie kann eine Tote ihre Geschichte erzählen?

In All the Beautiful Liars erzählt die Austro-Australierin Sylvia Petter die fiktive Biografie von Katrina Klain, die als junge Frau nach Wien zurückkehrt um sich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit zu machen. Im Interview spricht die Autorin über die Entstehung ihres Romans, über Erinnerung und Schweigen.

Ähnlich wie Katrina, die Hauptfigur Ihres Romans All the Beautiful Liars, haben Sie österreichische Wurzeln, sind aber in Australien aufgewachsen. Inwieweit hat Sie Ihre eigene Biografie beim Schreiben inspiriert?

Ich bin mit 20 nach Wien gekommen, fing aber erst mit 40 zu schreiben an. Ich traf ein paar Mal meinen Onkel Otto Petter, der in Spanien im Exil lebte, und von Wien aus besuchte ich die Familie meiner Mutter in der damaligen DDR. Natürlich kamen Erinnerungen vor, die ich beim Schreiben verwendete. Auch viele Szenen meiner australischen Jugend spiegelten sich in Katrinas wider.

Ihre literarischen Texte verfassen Sie hauptsächlich auf Englisch. War es für Sie von vornherein klar, dass Sie All the Beautiful Liars auf Englisch verfassen? 

Englisch ist meine Muttersprache, obwohl es nicht die Sprache meiner Mutter war. Das Buch war 20 Jahre lang in Vorbereitung. Ich musste lernen, wie und was ich erzählen konnte. Einige Kurzgeschichten haben geholfen. Zuerst war der Titel, Tillandsia – eine Pflanze die eigentlich von der Luft lebt. Dann fiel die Mauer – und der Titel wurde zu When the Walls Come Down – alles freigeben, und letztlich All the Beautiful Liars, da gewisse Lügen auch da waren, um zu schützen, oder wie erklärt man die Jahre der Stille meiner Generation gegenüber?

Im Roman spielt Erinnerung eine zentrale Rolle. Katrina geht dabei wie eine Detektivin vor, die Ihre Vergangenheit wie ein Puzzle aus vielen kleinen Informationen zu rekonstruieren sucht. Warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen?

Für mich war es wichtig zu verstehen, woher ich kam. Vielleicht ist das mehr ein Anliegen einer Migrantin, eines Einzelkindes, um zu wissen, wohin man noch gehen kann. Wenn man im eigenen Land lebt und Familie hat, da wächst man auf mit Geschichten der Großeltern, Cousinen, Geschwister, … In Australien wuchs ich mit Meinungen auf, die ganz anders waren, Meinungen, wenn auch naive von Kindern ausgesprochenen Meinungen, die ursprünglich von deren Eltern kamen, die deutsch-sprachige Migranten der 50iger Jahre vielleicht als Ex-Nazis sahen. (Wenn ich Australien heute anschaue und die Anti-Corona Regel Proteste sehe, muss ich schaudern, wie salonfähig mittlerweile früher verpönte Einstellungen geworden sind.)

All the Beautiful Liars hat auf den ersten Blick eine etwas ungewöhnliche Struktur. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Wie kann eine Tote ihre Geschichte erzählen? Nur im Limbo, in einem Panoptikum. Eigentlich war das ein bisschen meine Rache an zwei Herren, die sich vor Jahren geweigert hatten, mir bei meinen Recherchen zur Zorko-Affäre zu helfen. Das musste auch passieren und gab mir die Struktur. Ich sollte mich eigentlich bei ihnen bedanken. 

„Be nice to me or I´ll kill you in my novel.“ 

Gibt es schon Pläne, das Buch auch ins Deutsche zu übersetzen?

Da Katrina ihr Manuskript zu einem Verlag in der Prinz-Eugen-Straße bringt, hoffte ich, den Roman bei eben diesem Verlag unterzubringen und habe daher vorgestern eine Kopie des Buches bei ihrem Stand auf der Buch Wien deponiert. Bei Buch Wien wurde mir auch der Tipp gegeben es Ende November online bei Penguin Random House zu versuchen. Wenn nichts klappt, habe ich vor, die Geschichte ins Deutsche übersetzen zu lassen und in meinem Eigenverlag bei http://www.FloDoBooks.com herauszugeben.

2 Gedanken zu „Wie kann eine Tote ihre Geschichte erzählen?

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