Im Spotlight: Über Hürden des Literaturbetriebs

Seit zwanzig Jahren lebt der oberösterreichische Maler und Schriftsteller Wolfgang Eicher mittlerweile in Wien. Seit 1991 schreibt er hauptsächlich Romane. Anschluss zur Wiener Literaturszene hat er dennoch noch nicht wirklich gefunden. Im neuesten Im Spotlight Interview spricht er über die einseitige Vermarktung einzelner Autor:innen, über seine Erfahrung mit Indie-Verlagen und über sein neuestes Buch Mäandertal, das im Dezember dieses Jahres erscheint.

Herr Eicher, Sie kommen ursprünglich aus Oberösterreich, leben aber seit mittlerweile zwanzig Jahren in Wien. Wie erleben Sie die Wiener Literaturszene?

Vielleicht ist es naiv zu hoffen, dass in zwanzig Jahren Schreiben in Wien sich die Literaturszene irgendwie annähert. Ich erlebe die Literaturszene in Wien sehr verschlossen. Meine vielleicht zögerlichen Versuche reinzukommen wurden immer abgewehrt. Vielleicht aber auch besteht die Literaturszene aus lauter Einzelkämpfern. Und nur vereinzelt werden Autoren von den Medien gehypt. Ich empfinde ein Ungleichgewicht. Während einige wenige es scheinbar geschafft haben, versuchen die meisten verzweifelnd es zu schaffen. Hilfe von einer örtlichen Literaturszene erlebe ich dabei nicht.

Im Herbst dieses Jahres erscheint Ihr dritter Roman. Worum geht es in Mäandertal?

Es ist der Versuch der Darstellung eines neuen Lebensprinzips. Weg vom zielgerichteten Denken, das in unserer Gegenwart jedes Handeln lenkt, hin zu einem mäandrierendem Erleben der Welt, das mehr Vielfalt und Kreativität bieten soll. Eingebettet ist dieser Gedanke in einer Geschichte, die Werteverlust, Alkoholismus, Psychiatrie, Liebe und noch mehr beinhaltet. Am Ende gibt es eine Revolution, in der auch die Klimakrise behandelt wird.

Wie entwickeln Sie die Ideen für Ihre Romane? 

Immer mehr lasse ich die Worte einfach fließen. Die Geschichte entsteht spontan. Ich weiß nie, wo sie hinführt, aber irgendwo führt sie immer hin. Manchmal gibt es auch einen Rahmen, in dem ich schreibe. Dabei benötigen meine Ideen viel Zeit. Mit Mäandertal habe ich 2003 begonnen.

Sie verfassen auch Texte im Dialekt. Gibt es bestimmte Themen, bei denen Ihnen Dialekt passender erscheint?

Das Schreiben im oberösterreichischem Dialekt ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Schon eine Weile beschäftige ich mich mit der Grammatik und Ausdrucksweise meiner eigentlichen Muttersprache. Diese unterscheiden sich erstaunlich deutlich von der deutschen Sprache. Damit zu experimentieren macht Spaß. Ich empfinde das Schreiben im Dialekt als völlig unterschiedlich vom Deutschen. In welche Themen das jetzt besonders reinpasst, habe ich noch nicht herausgefunden. Aber ein Freund, mit dem ich auf oberösterreichisch chatte, und der steirisch zurückchattet, hat mir geraten, ein ganzes Buch im Dialekt zu schreiben. Mal sehen.

Wie bereits Ihre anderen beiden Romane, Die Insel und freiheitsstatue, kommt auch Mäandertal bei duotincta heraus. Worin sehen Sie die Vorteile von Indie-Verlagen?

Im Verlag duotincta habe ich alle Freiheiten. Beim Lektorieren wird praktisch nicht in die Geschichte eingegriffen. Großverlage müssen hingegen betriebswirtschaftlich denken. Sie müssen verkaufen. Das beeinflusst den Inhalt der Bücher. Die Freiheit, die Indie-Verlage bieten, ermöglicht eine neue Qualität von Literatur. Sie ist unabhängig, kreativ und vielfältig. Leser sollen wissen, dass es sich lohnt, in Indie-Verlagen nach Büchern zu stöbern. Da existieren viele Schätze im Verborgenen. Außerdem hat sich um den Verlag duotincta eine Gemeinschaft entwickelt. Wir Autoren vom Verlag duotincta schreiben nicht gegen- sondern miteinander. Es gibt regelmäßige Treffen, in denen sich gute Freundschaften entwickeln. Das Schreiben ist im Prinzip eine einsame Sache. Die Gemeinschaft, die sich entwickelt hat, hilft sehr, sich nicht als Einzelkämpfer zu fühlen.

Sie haben für duotincta auch Lesungen organisiert. Was macht Ihrer Meinung nach eine gelungene Lesung aus?

Eine Lesung gelingt, wenn zwischen Publikum und lesendem Autor ein Spannungsfeld entsteht, das die Geschichte erzeugt. Das intensive Zuhören verbindet sich mit dem Lesen, wodurch sich eine Wolke entwickelt, die zwar unsichtbar ist, aber man spürt sie dennoch während die Handlungsstränge der Geschichte offenbart werden. Die Ideen, die durch Inspiration im einsamen Kämmerlein entstanden sind, werden öffentlich auf Menschen übertragen. Im besten Fall kommen sie an. Das ist eine magische Erfahrung. Die Zahl der Zuhörer ist leider meist gering. das darf man jedoch nicht so wichtig sehen. es ist recht schwierig, Publikum zum Kommen zu Lesungen zu motivieren. Wir hatten jedoch bereits Lesungen mit wenig Publikum und toller Stimmung. Wichtig ist, dass die Geschichte in die Welt hinaus fliegt!

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