Im Spotlight: Horror als Botschaft gegen Gewalt

Akif Turan wuchs als zweites von drei Kindern einer türkisch-kurdischen Familie in Wien auf. Schon früh entdeckte er seine Liebe zum Schreiben. Seine Lieblingsgenres sind Horror, Thriller und Psychothriller. Dabei greift er auch gerne einmal auf wahre Begebenheiten zurück. Mit seinen Büchern möchte der Autor seinen Leser:innen die Gelegenheit geben, in andere Welten einzutauchen und dabei gleichzeitig auch etwas Positives mitzunehmen.

Herr Turan, wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich bin ein Wiener mit türkisch-kurdischen Wurzeln. Seit meiner Geburt lebe ich in Wien und bin zweisprachig aufgewachsen. Die zwei Sprachen beziehen sich jedoch auf deutsch und türkisch. Die kurdische Sprache wurde mir nie beigebracht und ich hatte auch keine Gelegenheit, sie zu erlernen. In meiner Familie wird nur selten kurdisch gesprochen. Abgesehen davon bin ich sprachlich ohnehin nicht besonders talentiert. Ich beherrsche lediglich insgesamt drei Sprachen fließend, von denen eine die englische Sprache ist.

Das Schreiben hat mich schon seit meiner Kindheit fasziniert. Schon in recht jungen Jahren, so etwa im Alter von zehn Jahren, entdeckte ich meine Leidenschaft für das Schreiben. Ich begann, kurze Geschichten zu erzählen, die eher einem Märchen glichen und in den darauffolgenden Jahren fing ich an, meine eigenen Comichefte zu gestalten. Mit meinen Texten und Geschichten konnte ich bereits in der Schule meine Lehrerinnen und Lehrer sowie meine Klassenkameradinnen und Klassenkameraden von meinem Schreibtalent überzeugen.

Als Jugendlicher fing ich an Gedichte, sowohl in deutscher als auch in türkischer Sprache zu verfassen. Kurz darauf versuchte ich mich als Drehbuchautor und fing zunächst mit Kurzfilmen an, bevor ich mit dem Entwerfen von Drehbüchern für Spielfilme weitermachte.

Viele meiner Drehbücher fanden zwar Gefallen bei den Profis, jedoch waren alle der Meinung, dass meine Geschichten viel zu aufwendig und sehr kostspielig wären, um sie in Österreich zu verfilmen. Daher hatte ich beschlossen, all meine Filme selbst zu produzieren, bin jedoch daran gescheitert, da ich einfach viele aus Budgetgründen nicht umsetzen konnte. Am Ende hatte ich zwar fertige Filme, jedoch waren die Ergebnisse weit von dem entfernt, was ich mir vorgestellt hatte.

Da die Geschichten jedoch alle Potenzial hatten und es Wert waren erzählt zu werden und ich sie unbedingt mit der Welt teilen wollte, beschloss ich, aus diesen Drehbüchern, Romane zu gestalten. So fing meine Laufbahn als Romanautor an.

Die meisten Ihrer Romane sind Horror und Psychothriller, was reizt Sie an diesen Genres? Gibt es Autoren, die für Sie Vorbilder sind? 

Sowohl Horror als auch Psychothriller haben mich schon als Jugendlicher begeistert und unterhalten. Das liegt größtenteils daran, dass mein Vater, als ich noch ein Kind war, oft diese Art von Filmen angesehen hatte. Ich kann mich noch sehr gut an meinen ersten Horrorfilm erinnern: „Der Exorzist“ aus dem Jahre 1973. Es war Anfang der 90er Jahre und ich war vielleicht vier oder fünf Jahre alt. Auch mein Onkel, also der jüngere Bruder meines Vaters, sah sich gerne Horrorfilme an und ich weiß noch als er mich dazu überredet hatte, gemeinsam mit ihm, „Rückkehr der lebenden Toten 3“ aus dem Jahre 1987 anzusehen. Dieser Film war mein erster Zombiefilm. Diese Art von Erlebnissen vergisst man nicht so schnell. Man kann sie eventuell verdrängen, aber ich hatte gelernt damit zu leben und das half mir, mich gegen diese Art von Filmen, eben Horror bzw. auch Psychothriller, abzuhärten. Auch meine beiden Schwestern wurden davon nicht verschont und sind genauso abgehärtet wie ich. Wir hatten uns oft, noch als wir Kinder waren, alleine Horrorfilme wie „Chucky die Mörderpuppe“ oder „A Nightmare on Elm Street“ angesehen. Mittlerweile lachen wir, wenn wir uns Horrorfilme ansehen oder langweilen uns sogar dabei, weil wir uns einfach nicht mehr erschrecken. Um doch noch diesen Kick zu bekommen, sehe ich mir oft alleine im Dunkeln mehrere Horrorfilme hintereinander an, aber das hilft auch nicht. Daher entschied ich mich für Horrorgeschichten und Psychothriller, weil ich dem Publikum bzw. der Community dieser beiden Genres ganz einfach Neues geben wollte. Ich denke, es gibt noch viele andere, die sich vom Horror der modernen Zeit nicht mehr mitreißen lassen und etwas Neues möchten. Ich hoffe, dass mir das mit meinen Geschichten gelungen ist.

Wie entwickeln Sie Ihre Ideen? Was inspiriert Sie?

Die Ideen stammen alle von mir selbst. Meist nehme ich wahre Begebenheiten, die ich mit meiner eigenen Fantasie verbinde und so wiedergebe. Ich greife zum Beispiel Themen auf, die sich um Gewalt an Frauen drehen, die wir leider tagtäglich zu hören bekommen, und versuche dieses Thema als ein Roman zu verpacken und dadurch eine Botschaft an die Männer, die sich an Frauen vergreifen, zu vermitteln. Als Beispiel kann ich hierfür mein Roman „Sophia’s Rache“ erwähnen. Aber auch in meinem Buch „Tote Nacht Geschichten“ findet man Ähnliches zu lesen. In meinem Roman „Der Erlöser“ zum Beispiel, habe ich einige negative Erlebnisse aus meiner Kindheit erzählt. Bezieht sich hierbei auf die Prügelattacken bzw. Schläge, die ich von meinem Vater oft bekam. In meinem aktuellsten Roman „Wolves vs Reptiles“ spiele ich mit Verschwörungstheorien, die seit geraumer Zeit auf der gesamten Welt die Runde machen. Auch für meine restlichen Romane habe ich viele reale Geschehnisse aufgegriffen und sie mit meiner eigenen Fantasie nacherzählt. Meine Geschichten sind immer voller Botschaften, die ich meinen Leserinnen und Lesern, aber auch der gesamten Welt mitgeben möchte. Botschaften, die uns dabei helfen sollen füreinander und nicht gegeneinander zu sein. Botschaften, die uns zum Nachdenken bringen und uns überlegen lassen. Botschaften, die uns davon abhalten Böses zu tun. Aufeinander Acht zu geben und uns gegenseitig zuzuhören. Ich hoffe, dass ich es geschafft habe, all diese Botschaften auch tatsächlich zu vermitteln.

In der Beschreibung bezeichnen Sie Ihre Geschichten als „Tore in eine andere Welt“. Wie darf man sich das vorstellen? 

Jedes Buch ist ein Tor, das seine Leserinnen und Leser in eine Welt abtauchen lässt, sobald sie es aufschlagen. Die meisten lesen die Bücher aus genau diesem Grund, um sich von der realen Welt abzugrenzen. Sie suchen eine Zuflucht und finden diese meist in den Büchern. So können sie ein Teil von dieser Geschichte werden und sich sogar mit einem der Charaktere identifizieren und schlüpfen in diese Rolle oder sie verfolgen die Geschichte nur als Beobachterin oder als Beobachter. Das trifft auch auf meine Bücher zu. Man soll sie aufschlagen und in unentdeckte Welten eintauchen und die wahre Welt, zumindest für einige Stunden, abschalten.

Welche Themen faszinieren Sie am meisten?

Alles was mit Übernatürlichem bzw. mit Okkultem zu tun hat.

Was bedeutet Schreiben für Sie?

Das Schreiben ist für mich wie eine Art Selbsttherapie. Ich kann mich schriftlich viel besser ausdrücken und kann mehr erzählen als ich es wörtlich machen würde.

Ich habe ja sonst niemanden mit dem ich sprechen bzw. mich unterhalten kann. Daher erzähle ich es einfach meinen Büchern und somit auch am Ende meinen Leserinnen und Lesern.

Ich spreche also am Ende doch noch mit jemandem. Zwar nicht von Angesicht zu Angesicht, aber es ist doch eine Art von Kommunikation. So bleibe ich mit ihnen verbunden.


Wer neugierig geworden ist und mehr über Akif Turans Bücher erfahren möchte, kann sich hier einen Überblick verschaffen.

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