Mit dem VW-Bus Richtung Osten: Im Gespräch mit Olivia Wimmer und Lukas Matzinger

REZENSION und PODCAST Barbara E. Seidl-Reutz 21. August 2026

Beim Lesen von Ohne Kalaschnikow schlaf ich schlecht ist es, als würden wir ein Stück weit mitreisen. Mit Lukas Matzinger und Olivia Wimmer, deren Fotografien den Text bereichern, geht es im alten VW-Bus von der Türkei über den Iran und Pakistan bis nach China. Nur die schier unerträgliche Hitze, die klirrende Kälte, Pannen und allerlei andere Unannehmlichkeiten bleiben uns erspart, denn wir können die beiden bequem von der Wohnzimmercouch aus begleiten.

Unterwegs besuchen sie eindrucksvolle Landschaften und denkwürdige Orte, darunter auch das letzte Versteck Osama bin Ladens. Was von dieser Reise jedoch besonders im Gedächtnis bleibt, sind die Menschen. Aus zufälligen Begegnungen werden Einladungen, aus Bekanntschaften Freundschaften. Die Gastfreundschaft und Neugier, die Matzinger und Wimmer dabei erfahren, gehören zu den stärksten Eindrücken des Buches. Sie erzählen auch davon, wie schnell sich Vorstellungen von Ländern und Menschen verändern, sobald man ihnen tatsächlich begegnet.

Lukas Matzinger, Ohne Kalaschnikow schlaf ich schlecht. Mit Fotografien von olivia Wimmer. Zsolnay 2026, 304 Seiten.

Matzinger erzählt die Reise nicht chronologisch. Die Kapitel folgen Themen und Motiven, die an weit voneinander entfernten Orten wiederkehren: Fragen nach Fremdheit und Heimat, nach Nähe, gesellschaftlichen Unterschieden und dem eigenen Blick auf die Welt. Diese Anordnung gibt dem Erlebten eine zweite Ebene. Die Reise wird im Schreiben noch einmal durchmessen, Erinnerungen werden geprüft, Erfahrungen verarbeitet und miteinander in Beziehung gesetzt.

Das liest sich unterhaltsam und leicht, ohne beim bloßen Abenteuerbericht stehenzubleiben. Und wenn man die beiden nach der letzten Seite wieder ziehen lassen muss, ist da womöglich dieser Gedanke: Man könnte doch auch einfach einmal einsteigen, losfahren und sehen, was hinter dem eigenen Horizont wartet.

Im Podcastgespräch erzählen die beiden noch mehr über die Hintergründe ihrer Reise, über Pannen und Improvisation, Hitze und Kälte und über jene Begegnungen und Anekdoten, die ihnen bis heute besonders in Erinnerung geblieben sind.

Lukas Matzinger, geboren 1990 in der Obersteiermark, ist Ressortleiter Stadtleben der Wiener Wochenzeitung »Falter«. Für seine Reportagen wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Claus-Gatterer-Preis und dem Pressepreis der Wiener Ärztekammer. 2026 erschien bei Zsolnay »Ohne Kalaschnikow schlaf ich schlecht«.

Olivia Wimmer, geboren 1983 in Grieskirchen, Radiojournalistin bei Ö1 und Reportagefotografin, Fotoarbeiten u.a. aus Algerien, Türkei und Syrien.


When reading Ohne Kalaschnikow schlaf ich schlecht, it feels as though we are travelling alongside them. Together with Lukas Matzinger and Olivia Wimmer, whose photographs enrich the text, we set off in an old VW bus, travelling through Turkey, Iran and Pakistan all the way to China. The almost unbearable heat, bitter cold, breakdowns and all manner of other discomforts are thankfully spared us: we can simply sit back on the comfort of our living-room sofa and accompany the two on their journey.

Along the way, they encounter impressive landscapes and memorable places, including Osama bin Laden’s final hideout. Yet what stays with us most are the people they meet. Chance encounters turn into invitations, acquaintances into friendships. The hospitality and curiosity Matzinger and Wimmer experience are among the book’s most lasting impressions. Their journey also shows how quickly our ideas about countries and their people can change once we actually meet them.

Matzinger does not recount the journey chronologically. Instead, the chapters are organised around themes and motifs that recur in places far apart from one another: questions of foreignness and home, closeness, social differences and our own way of looking at the world. This structure adds another layer to the experiences themselves. In writing the book, Matzinger retraces the journey, revisiting memories, processing experiences and drawing connections between them.

The result is an entertaining and accessible read that never settles for being simply an adventure story. And when, after the final page, it is time to let the two travellers continue on their way, one thought may linger: perhaps we, too, could simply get in, set off and see what lies beyond our own horizon.

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