Erzählen gegen Armut: Im Gespräch mit Lisa Höllebauer

PODCAST und REZENSION Barbara E. Seidl 18. Mai 2022

Die Nachricht, die zur Jahreswende 2020/21 durch die Medien ging, wonach sich Kinder im Flüchtlingscamp Moria davor fürchten mussten, nachts von Ratten gebissen zu werden, erschütterte Herausgeberin Lisa Höllebauer sehr. Auf Schock und Unfassbarkeit über die Bilder, die durch die Nachrichten gingen, folgte der Drang, etwas tun zu wollen.

Aus dem Wunsch, die Leidenschaft für deutschsprachige Gegenwartsliteratur mit einem guten Zweck zu verbinden, entstand die Idee, mit Hilfe eines Erzählbandes Spenden für geflüchtete Menschen zu sammeln. Die Autor*innen Irene Diwiak, Katharina J. Ferner, Valerie Fritsch, Lisa Krusche, Lucia Leidenfrost, Martin Peichl, Benjamin Quaderer, Barbara Rieger, Stephan Roiss, Clemens J. Setz, Mercedes Spannagel und Barbara Zeman stellten Texte für den Erzählband zur Verfügung.

Das Ergebnis ist nicht nur ein schönes Beispiel dafür, wie jede*r Einzelne von uns dazu beitragen kann, die Welt ein wenig besser zu machen, Erzählen gegen Armut ist auch ein ausgesprochen schön gestaltetes und abwechslungsreiches Buch. Die zwölf Texte nähern sich den Themen Erzählen und Armut von unterschiedlichen Perspektiven, sie spielen mit Sprache und Erzählform und spiegeln wider, was die junge deutschsprachige Gegenwartsliteratur alles zu bieten hat. Wenn etwa Lucia Leidenfrost ihren Text immer wieder von neuem beginnt und dabei feststellen muss, dass es nie möglich sein wird, das ganze Bild zu vermitteln oder Valerie Fritsch einen Künstler beschreibt, der so sehr damit beschäftigt ist, seine Mitmenschen abzubilden, dass er diese kaum wahrnimmt, wird klar, dass das Erzählen – nicht zuletzt auch die Darstellung von Armut – immer mit sehr viel Selbstreflexion verbunden ist.

Erzählen gegen Armut erscheint in einer limitierten Auflage von 300 Stück. Alle Einnahmen aus dem Verkauf (15 Euro pro Exemplar) werden an das Hilfsprojekt „Kinder auf der Flucht“ vom SOS-Kinderdorf gespendet. Mit den Spenden wird Kindern und Jugendlichen, die nach Österreich geflüchtet sind, individuelle Unterstützung in SOS-Kinderdorffamilien und Wohngruppen ermöglicht. Durch Deutschkurse und psychologische Betreuung soll der Start in einem neuen Land erleichtert werden. Mehr zum Projekt finden alle Interessierte unter www.sos-kinderdorf.at

Lisa Höllebauer (Hrsg.), Erzählen gegen Armut, Forum Stadtpark 2022,
15 EUR (bestellbar per Mail: ega@hoellebauer.com) mit Unterstützung von Land Steiermark, Stadt Graz und GeWi Fakultätsvertretung ÖH Graz

Im neuesten Podcast-Interview für Das Litrophon verrät Herausgeberin Lisa Höllebauer, wie die Idee zu diesem Projekt entstanden ist und welcher Text sie persönlich am meisten berührt hat.

Auf der Suche nach Freiheit Das Litrophon

Vagabondage, laut Duden ein spezifisch österreichischer Ausdruck, beschreibt eine Lebensform des Nicht-Sesshaft-Werden-Wollens oder Könnens. Außerhalb der etablierten gesellschaftlichen Ordnung werden Vagabundierende oft angefeindet und verfolgt. Gleichzeitig wird die mit dieser Lebensform verbundene vermeintliche Freiheit auch romantisiert. Im von ihnen herausgegebenen Band "Vagabondage" (Sonderzahl 2022) nehmen Eva Schörkhuber und Andreas Pavlic historische und zeitgenössische Facetten des Vagabundierens ins Visier.
  1. Auf der Suche nach Freiheit
  2. Buchhandlung Löwenherz
  3. Erzählen gegen Armut
  4. Vergrabe dein Herz
  5. Was wäre wenn

Buchpräsentation – 22. Juni 2022, Literaturhaus Graz

mit Irene Diwiak, Valerie Fritsch und Lucia Leidenfrost

Zur Veranstaltung: Erzählen gegen Armut | Literaturhaus Graz (literaturhaus-graz.at)

Außerdem wird es im Rahmen der Buchpräsentation die Möglichkeit geben, Exemplare zu erwerben.

Über die Herausgeberin:

Lisa Höllebauer studiert im Master “Germanistik” in Graz und engagiert sich als Co-Organisatorin des Literaturwettbewerbs “wir sind lesenswert” im Kulturbetrieb. Die fürchterlichen Berichte aus dem Flüchtlingslager in Moria bewegten Lisa dazu, ihre Liebe zur Literatur zu verwenden, um zu helfen.

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