32 Blicke auf Heimat: Wannst net fort muaßt, so bleib?

REZENSION Barbara E. Seidl-Reutz, 11. Juni 2026

Rezension

Wannst net fort muaßt, so bleib?, herausgegeben von Christa Prameshuber, versammelt 32 Stimmen aus Oberösterreich, die sich auf sehr unterschiedliche Weise mit Heimat auseinandersetzen. Die Texte erzählen von Orten und Menschen, von Erinnerungen und Veränderungen, von dem, was bleibt, und dem, was verloren geht. Dabei entsteht kein einheitliches Heimatbild, sondern ein Mosaik aus Perspektiven, Erfahrungen und Erzählweisen.

Die Stärke der Anthologie liegt in ihrer Vielstimmigkeit und sorgfältigen Komposition. Unterschiedliche literarische Formen und Stile stehen nebeneinander: ernsthafte, poetische, humorvolle und ironische Texte wechseln einander ab und eröffnen immer neue Zugänge zum Thema. Manche Geschichten beruhen erkennbar auf gelebten Erfahrungen, andere bewegen sich bewusst in jenem Zwischenraum, in dem Fiktion und Wirklichkeit einander berühren.

Christa Prameshuber (Hrsg.), Wannst net fort muaßt, so bleib? Autorinnen aus Oberösterreich erzählen. Trauner Verlag, 2026. 171 Seiten.

Ebenso überzeugend ist die Bandbreite der Schauplätze. Die Anthologie richtet den Blick nicht nur auf das ländliche Oberösterreich, sondern auch auf die Stadt. Die Donau kommt darin ebenso vor wie das Lieblingscafé, das Dorf genauso wie urbane Räume. Aus dieser Vielfalt entsteht ein facettenreiches Bild des Bundeslandes, das weder idyllisiert noch problematische Seiten ausspart. Vertraute Bilder und Klischees werden aufgegriffen, hinterfragt und mitunter humorvoll unterlaufen.

Die Texte kreisen um Fragen von Identität, Zugehörigkeit und Sehnsucht. Was bedeutet Heimat für Menschen, die geblieben sind? Was für jene, die weggegangen sind oder zwischen mehreren Orten leben? Die Autorinnen beschreiben Nähe und Distanz, Verbundenheit und Fremdheit oft gleichzeitig und machen deutlich, wie widersprüchlich Heimat erlebt werden kann.

So ist ein literarischer Sammelband entstanden, der Oberösterreich in seiner Vielfalt sichtbar macht. Wannst net fort muaßt, so bleib? ist das vielschichtige Bild einer Region und ihrer Menschen. Aufmerksam, kritisch, humorvoll und mit einem feinen Gespür für die Zwischentöne.

Mit Texten von Corinna Antelmann, Angela Flam, Marlene Gölz, Susanne Huber, Doris Kloimstein, Gabi Kreslehner, Julia Kröhn, Ida Leibetseder, Martina Anna Linortner, Christina Mack, Ulrike Moshammer, Arianna Roider, Barbara Rieger, Gerda Sengstbratl, Barbara Schinko, Marlen Schachinger-Pusiol, Claudia Taller, Verena Traeger, Johanna Tschautscher, Verena Dolovai, Eva Grübl, Christine Haiden, Elisabeth Vera Rathenböck, Ingeborg Rauchberger, Marion Reisinger, Gerlinde Riegler-Aspelmayr, Katharina Riese, Karina Luger, Renate Perfahl, Christa Prameshuber, Marion Wisinger und Dominika Meindl.


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