Die Arbeit am Text: Im Gespräch mit Senta Wagner

PODCAST 19. März 2024

In dieser Folge unseres Podcasts gehen wir der Frage nach, wie aus einem Manuskript ein fertiges Buch wird. Dazu im Gespräch die Lektorin und Journalistin Senta Wagner.

Senta, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast. Meine erste Frage gleich einmal vorweg: Was macht dir an deiner Arbeit als Lektorin am meisten Spaß?

Senta Wagner: Ja, Hallo Barbara, danke für diese nette Einstiegsfrage die so global ist, dass ich versuche, sie zu fassen. Ich liebe meinen Job, seit ich ihn mache, seit über 20 Jahren und am meisten Spaß, ja, es ist natürlich so, ich lektorierte ja eine Range von Texten, also eine ganz große Vielfalt, vom Schulbuch über Kinderbuch bis hin zur Belletristik. Vielleicht bleiben wir hier einfach bei der Belletristik, wenn das okay ist, und da ist es natürlich so, dass es immer wieder eine Begegnung oder die Begegnung ist mit neuen Texten. Das ist wie das Betreten eines neuen, unbekannten Kontinents und es ist einfach toll zu sehen, was nach einem Lektorat, wenn der Text dann fertig steht als Buch, was dann nach der Arbeit da herausgekommen ist, wie sich ein Text aufschließt und das ist immer wieder toll zu erleben. Was passieren kann, bei einem Lektorat, also so einen Text quasi von der Rohfassung bis zum Endprodukt zu begleiten, aus einem Manuskript sozusagen ein fertiges Buch zu machen.

Ja, das gehört mit zu dem Schönsten an dieser ganzen Arbeit. Und natürlich auch all die Menschen, die dahinter stehen, die Schreibenden und die verlegerischen Personen und so weiter.

Nun hat ja auch jede Arbeit ihre Schattenseiten. Gibt es etwas, was du vielleicht mitunter ein bisschen mühsam findest an deiner Arbeit?

Senta Wagner: Ja, ich habe dir gerade tatsächlich nur das Leuchtende, Schöne an dem Ganzen erzählt. Klar sind im Lektoratsprozess oder an der Buchentstehung viele Menschen beteiligt – das sind dann oft organisatorische Dinge, da kann es um Abgabetermine gehen, überhaupt Fristen, die einzuhalten sind, also Faktoren, die ich dann oft gar nicht selber in der Hand habe.

Das kann durchaus dann etwas mühsam sein aber ich versuche, mich in meiner Arbeit nicht behindern zu lassen, aber es sind einfach Dinge, die fließen da manchmal mit rein. Im Schulbuch sieht es natürlich ganz anders aus als in der Belletristik, aber es gibt eben äußere Faktoren.

Hören Sie hier das ganze Gespräch mit Senta Wagner:

Das Schweigen zur Sprache bringen Das Litrophon

Herkunft und Erinnerung prägen unser Leben oft auf eine Weise, die sich erst später zeigt. Familiengeschichten wirken weiter, auch dann, wenn sie brüchig bleiben, lückenhaft sind, oder von Schweigen durchzogen. Literatur kann ein Ort sein, an dem diesen verborgenen Linien nachgegangen wird. In ihrem Debütroman Heimholen setzt sich Katherina Braschel mit den eigenen Vorfahren auseinander und mit der Frage, wie Vergangenheit erzählt werden kann, wenn sie von Verlust, Vertreibung und Schuld geprägt ist. Der Roman greift die Geschichte der Donauschwaben auf, thematisiert ihre Vertreibung ebenso wie eine dunkle SS-Vergangenheit innerhalb der Familie. Im Podcast Gespräch erzählt die Autorin von der Schwierigkeit, sich dieser Geschichte zu stellen, Verantwortung anzuerkennen und einen eigenen Umgang mit dem Erbe der Vergangenheit zu finden. Auch der Literaturbetrieb kommt zur Sprache: Fragen von Sichtbarkeit, Erwartungen und Konkurrenz, und wie sie als Autorin damit umgeht. Zur Autorin: Katherina Braschel, geboren 1992 in Salzburg, studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien. Sie lebt und arbeitet als freie Schriftstellerin in Wien. Neben ihrer literarischen Arbeit ist sie als Kulturveranstalterin tätig, Redaktionsmitglied zweier Literaturzeitschriften und gibt Schreibworkshops. 2024 war sie Writer-in-Residence der Max Kade Foundation an der Bowling Green State University in Ohio (USA). Katherina Braschel erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, darunter den Förderpreis der Rauriser Literaturtage (2019), den WORTMELDUNGEN-Förderpreis (2019) sowie den Limburg-Preis (2022). 2020 erschien ihr experimenteller Band es fehlt viel. Heim holen, 2026 im Residenz Verlag erschienen, ist ihr erster Roman.
  1. Das Schweigen zur Sprache bringen
  2. Verschwinden im Blätterwald
  3. Frauen lieben lernen
  4. Ein Plädoyer für die Dunkelheit
  5. Vom Glänzen und Verschwinden

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Senta Wagner, geboren in Stuttgart, lebt seit 2008 in Wien. Studium der Germanistik und Romanistik in Stuttgart, längere Aufenthalte in Frankreich. Seit 1999 freie Verlagslektorin, freie Journalistin (Magazin morehotlist, Der Standard) und Literaturvermittlerin. Seit Juni 2014 Mitglied der Jury der ORF-Bestenliste. Seit 2015 Mitglied des Kuratoriums des Vereins der Hotlist der unabhängigen Verlage und redaktionelle Leitung des Magazins morehotlist.
Gastvortragende an deutschen und österreichischen Universitäten (Germanistik) zum Arbeitsfeld „Freies Lektorat“. Gastlektorin an der Universität für angewandte Kunst Wien.

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