Alle guten Dinge sind drei: Simon Sailers Der Schrank

REZENSION Barbara E. Seidl 30. Mai 2022

Nach Die Schrift und Das Salzfass ist nun der dritte Teil von Simon Sailers Trilogie erschienen. Wie bereits in den ersten beiden Erzählungen stehen auch in Der Schrank unheimliche Verwandlungen im Zentrum der Geschichte.

War es in der ersten Erzählung eine geheimnisvolle Schrift, die den Protagonisten derart in ihren Bann zieht, dass sich sein Leben aufzulösen beginnt, und in der zweiten Novelle ein mysteriöses Salzfass, das ein Eigenleben entwickelt, so ist es nun ein harmlos anmutender Schrank, der die Welt der Protagonistin auf den Kopf stellt.

Schauplatz ist abermals die Essiggasse im 1. Wiener Gemeindebezirk, denn dorthin soll Lena, eine pflichtbewußte Möbelpackerin mit zwei ihrer Kollegen einen unscheinbaren Schrank liefern. Doch bereits bei der Abholung läuft nicht alles nach Plan: ein Fuß bricht ab und Lena findet darin eine Perle, die sie umgehend einsteckt. Von diesem Moment an nimmt das Unheimliche seinen Lauf. Schon bald beginnen Leute zu verschwinden und Tiere wimmeln durch die Stadt. Was es mit dem Schrank wohl auf sich hat?

Simon Sailer wurde 1984 in Wien geboren, wo er nach Aufenthalten in Berlin, Prag und Paris wieder lebt. Er studierte Philosophie in Wien und Paris sowie Art and Science an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Seit 2017 literarische Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. 2019 erschien sein Debütroman »Menschenfisch«.Web: http://www.simonsailer.net/
Simon Sailer, Der Schrank, Erzählung, Edition Atelier 2022, 104 Seiten, €18.

Geschickt verpackt in Simon Sailers unterhaltsam schauriger Erzählung findet sich ein sozialkritischer Kern. So wird gezeigt, wie die Arbeit das Leben vieler Menschen bestimmt, bis zu dem Punkt, an dem auch das Beziehungsleben darunter leidet. Es ist dem erzählerischen Feingefühl des Autors zu verdanken, dass sich die Lesenden dennoch nie belehrt oder bevormundet fühlen. Im Gegenteil, lässt der Autor doch ausreichend Interpretationsfreiraum, um das Gelesene auf unterschiedliche Weise zu deuten.

Ergänzt wurde die Erzählung, wie die beiden Vorgänger, durch liebevoll illustrierte Bilder von Jorghi Poll.

Der Schrank ist eine sehr bunte, fantasievolle Lektüre mit dem Hauch einer Geschichte aus einer längst vergangenen Zeit. Ein Band, der allen Buchliebhaber*innen wärmstens ans Herz gelegt sei.

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