Misogynie in der Literaturkritik ist nur die Spitze des Eisbergs

Von Mareike Fallwickl

Misogynie in der Literaturkritik ist weit verbreitet — und nur die Spitze des Eisbergs. Das Problem beginnt schon viel früher: Es beginnt dort, wo Literaturagenturen nach Vermarktbarkeit auswählen und Frauen nicht annehmen, wo Verlage auf ein stark männerlastiges Programm setzen und Autorinnen nicht veröffentlichen — klar belegt durch #frauenzählen —, wo Zeitungen und Redakteure bewusst den Schwerpunkt auf Autoren legen und weniger Autorinnen besprechen. Von den Nominierungen und Auszeichnungen mit Preisen ganz zu schweigen, da zeigt sich dasselbe Bild. Das alles bedeutet: Bis hierher sind schon viele Autorinnen durch das Raster gefallen. Wenn sie es trotzdem geschafft haben, vertreten, publiziert, besprochen zu werden, müssen sie auch noch damit rechnen, aufs Übelste mit frauenfeindlicher Kritik abgewatscht zu werden, die als vermeintlich objektiv daherkommt. Nicht nur von männlichen Kritikern, auch von weiblichen, die nicht gegen ihre internalisierte Misogynie antreten. Es ist ermüdend, anstrengend, aufs Bitterste unfair, ein sich selbst befeuerndes System der Ausgrenzung und Diskriminierung, das mich regelmäßig fragen lässt: Wieso tue ich mir das an? Warum denke ich, ich hätte eine Chance, wo doch die gesamte Literaturbranche mir jeden Tag das Gegenteil beweist? Wann wird sich das jemals ändern? Und: Was braucht es, damit es sich ändert?

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