Geschichten aus dem Ameisenbau

Foto: Nadine Studeny

INTERVIEW, 16. Februar 2021

In ihrem Romandebüt blickt die oberösterreichische Autorin Romina Pleschko hinter die Fassaden der Großstadt. Mit schonungslosem Blick deckt sie hässliche kleine Geheimnisse auf und sorgt dabei für schadenfreudige Unterhaltung.

Ihr Buch trägt den Titel Ameisenmonarchie, was steckt hinter diesem Namen?

Beim Schreiben hat mich ursprünglich die Struktur eines Ameisenbaus inspiriert. Magdalena lebt quasi als Ameisenkönigin im Dachgeschoss. Das Royale daran klingt zwar gut, aber Ameisenköniginnen sind eigentlich nur zum Eierlegen bestimmt und sehen fast nie das Tageslicht.

Ameisenmonarchie blickt hinter die Fassaden der Großstadt. Beobachten Sie gerne?

Ich beobachte automatisch und meistens auch gerne, muss mich aber phasenweise auch bewusst zurückziehen zur Verarbeitung. Den Drang, immer unter Menschen zu sein, habe ich gar nicht.

Der Roman spielt zu einem großen Teil in einem Wohnhaus, in dem es die Nachbarn in sehr unterschiedlichen Beziehungen zu einander stehen, was ein wenig an Sitcoms erinnert. Haben Sie Fernsehserien hier ein wenig inspiriert oder haben Sie selbst ähnliche Erfahrungen gemacht? Kennen Sie Ihre Nachbarn?  

Es gibt nichts, was es nicht gibt. Meine Inspiration kommt eindeutig aus dem realen Leben, aber bei weitem nicht ausschließlich aus Eigenerfahrung. Unsere Nachbarn sind leider ausgezogen, was aber wirklich nicht an meinem Roman liegt. Sie waren fantastisch und wir stehen nach wie vor in gutem Kontakt. Ich bin ja nicht verrückt und fülle einen Roman mit meinen eigenen Nachbarn! 😉

Was beim Lesen auffällt ist vor allem der satirische Unterton. Kann man erste Dinge mit Humor manchmal besser rüberbringen?

Davon bin ich überzeugt. Ich glaube, dass der Humor die Distanzierung von den Figuren schwerer macht. Sie sind ja allesamt wirklich keine Sympathieträger, aber zumindest ich mag jeden einzelnen davon.

Ameisenmonarchie ist Ihr erster Roman, davor haben Sie bereits zahlreiche kürzere Texte veröffentlicht. Was macht mehr Spaß, Romanschreiben oder Kurzprosa?

Das Romanschreiben ist viel anspruchsvoller in der Überarbeitung, in der Langstrecke ist auch viel Raum für überraschende Entwicklungen. An der Kurzprosa liebe ich die Verdichtungen und den Schreibflow. Gottseidank muss ich mich nicht entscheiden, das fiele mir wirklich schwer!


ROMINA PLESCHKO wurde 1983 in Oberösterreich geboren. Sie studierte Schauspiel am Konservatorium der Stadt Wien, es folgten Engagements u. a. bei den Wiener Festwochen und am Volkstheater Wien. Neben einer Ausbildung zum Make-up Artist absolvierte sie ein Studium an der Leondinger Akademie für Literatur. Diverse Veröffentlichungen und Stipendien, zuletzt Writer in Residence bei ORFIII 2019. „Ameisenmonarchie“ ist ihr erster Roman.

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