Norbert Kröll entdeckte seine Liebe zu Büchern erst relativ spät

Foto: Ingo Pertramer

Norbert Kröll

Da es in meinem Elternhaus kaum Bücher gab, habe ich leider nur drei Bücher aus meiner Kindheit in Erinnerung. Das erste Buch – das ich übrigens nicht empfehle -, war der Struwwelpeter, furchtbares Buch. Das zweite Buch – nicht weniger furchtbar – war Max und Moritz. Das dritte Buch – und nun eine vorsichtige Empfehlung, obwohl pädagogisch sicherlich nicht empfehlenswert -, war ein Buch von Richard Scarry. Ich kann mich noch erinnern, dass es auf jeder Buchseite mindestens einen Autounfall gab oder einen Sturz oder ein Missgeschick, das jemandem widerfahren ist. Ob es als „Lieblingsbuch“ durchgeht, bin ich mir nicht sicher. Es hat zumindest endlich mit keiner Moralkeule geschwungen und mich manchmal zum Lachen gebracht.

In meiner Jugend habe ich kaum etwas gelesen (wir erinnern uns: keine Bücher im Haus), das ich nicht von der Schule aus lesen musste. Auch hier also leider kein Lieblingsbuch. Es hat nie gefunkt. Nie. Eigentlich rückblickend kaum vorstellbar bei all diesen grandiosen Büchern, die es gibt. Wie ich später doch noch Bücher zu lieben gelernt habe und schließlich sogar zu einem Schriftsteller geworden bin, ist mir, ehrlich gesagt, bis heute ein Rätsel.

Wie dem auch sei, zum Schluss, quasi als Wiedergutmachung für meinen doch eher negativen Bericht, eine unbedingte Empfehlung für ein Kinderbuch, das ich im Moment sehr gerne (beinahe täglich) vorlese: Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne (Jakob Martin Strid).


Norbert Kröll, 1981 in Villach geboren, lebt und arbeitet in Wien. Studium der Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien. Mitherausgeber des Literaturmagazins JENNY #2 (De Gruyter). Arbeits- und Reisestipendien des Kunstministeriums, Wiener Literatur Stipendium 2016, Forum Land Literaturpreis 2017, Jubiläumsfonds-Stipendiat der Literar-Mechana 2018, Förderpreis für Literatur des Landes Kärnten 2018, 3. Preis beim Feldkircher Lyrikpreis 2019, Wiener Literatur Stipendium 2020, Theodor-Körner-Preis 2020. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien. Sein Debütroman »Sanfter Asphalt« erschien 2017 im Löcker Verlag.

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