Schreiben, wo man in sich selbst ruhen kann

So wie Herrn Rudi, den Protagonisten ihres gleichnamigen Romans, hat es die Wiener Autorin Anna Herzig nach Salzburg verschlagen. Diesen Sommer kommt sie als Stadtschreiberin nach Villach. Im Interview mit Litrobona spricht sie über den Balanceakt zwischen Sozialleben und Alleinsein.

„Wenn sich die Westbahn Richtung Salzburg in Bewegung setzt, wird dem Herrn Rudi warm im Bauch.“

Anna Herzig, Herr Rudi

Anna, dein Roman, Herr Rudi, liest sich fast ein bisschen wie eine Liebeserklärung an Salzburg. Was macht für dich das Besondere an dieser Stadt aus?

Dasselbe wie für den Herrn Rudi: Gar nicht so sehr Mirabell und Mozart. Mehr so das Gefühl zwischen Stirn und Bauchnabel. 

Die Stadt war ja auch der langjährige Wohnort von Thomas Bernhard, Georg Trakl und Stefan Zweig. Würdest du sagen, dass Salzburg ein guter Ort zum Schreiben ist?

Interessante Frage. Ich denke, dass jeder Ort ein guter Ort zum Schreiben ist, wenn man in sich selbst ruhen und seine Innerlichkeit genießen kann.

Wo schreibst du persönlich am liebsten? Hast du da ein bestimmtes Ritual?

Ich schreibe am liebsten Zuhause, alleine, isoliert von allem und jedem. Mit nur einer winzigen, aufrechten Verbindung zwischen mir und dem Universum.

Du arbeitest mittlerweile ja bereits am nächsten Buch. Machst du zwischendurch eine Pause, wenn ein Text fertig ist, oder schreibst du kontinuierlich weiter?

Ach, ich habe genug Pausen. Dazwischen ist es oft recht fad. Da kann ich meine Energien wieder gut aufladen : )

Das Leben von Schriftsteller*innen ist ja oft recht mobil. Sind die Lesungen und Stadtschreiber-Stipendien vielleicht auch ein angenehmer Ausgleich für die vielen einsamen Stunden vor dem Computer?

Ich genieße soziale Aktivitäten sehr, ziehe mich dann aber wieder zurück, wenn’s mir zu viel wird. Die Balance ist da für mich wichtig. Einsamkeit stört mich nicht. Damit hab ich mich bereits vor über einem Jahrzehnt angefreundet.

Im Rahmen des Literaturstipendiums „Literatur:im:Süden“ bist du diesen Sommer in Villach. Kennst du die Stadt schon ein bisschen? Worauf freust du dich am meisten? 

Den Austausch mit Menschen, dem seh ich am liebsten entgegen. Natürlich auch dieses Gefühl, das Ungewisse, was einen erwartet, welche Ideen und Begegnungen, all das interessiert und begeistert mich sehr.

Ein Aufenthaltsstipendium ist immer eine große Ehre, vor allem wenn man bedenkt, wie viele Einsendungen pro 1 oder 2 Stipendien einlangen. Ich stelle mir die Entscheidung(en) einer Jury nicht leicht vor.


Anna Herzig wurde 1987 als Tochter eines Ägypters und einer Kanadierin in Wien geboren. Sie lebt in Salzburg. Nach mehreren Veröffentlichungen im Digitalen erschien 2018 mit »Sommernachtsreigen« Herzigs erstes gedrucktes Buch, im Frühjahr 2020 folgte »Herr Rudi« (beide Voland & Quist).

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