PODCAST und REZENSION Barbara E. Seidl 22.05.2024
In den 1960er Jahren auf einem Bauernhof aufgewachsen, steht Maria im Schatten ihrer beiden Brüder Josef und Franz. Während Josef in die Fußstapfen des Vaters tritt, ist das Nesthäkchen Franz der Liebling der Mutter. Von Maria wiederum wird erwartet, sich anzupassen, auf ihr Erbe zugunsten der Brüder zu verzichten und den traditionellen Erwartungen zu entsprechen.
In ihrem Debütroman Dorf ohne Franz stellt Verena Dolovai mit der Erzählerin Maria eine Perspektive in den Vordergrund, die allzu oft übersehen wird. Jene der unscheibaren, hart arbeitenden Frau, die ihr Leben in den Dienst von anderen stellt. Marias Geschichte ist keine Heldinnenreise, dennoch entwickelt sich die Erzählerin im Laufe des Romans weiter, beginnt ihre Situation zu hinterfragen und Auswege zu finden, die sie abseits der vorgesehenen Pfade führen.

Verena Dolovai, Dorf ohne Franz. Septime Verlag, 2024.168 Seiten, gebunden, €20.
Maria ist von der ersten Seite an in Bewegung. Verena Dolovai ist so nahe an ihrer Protagonistin dran, schildert ihre Gedanken und Empfindingen so detailreich, dass sie es den Lesenden unmöglich macht, sich vom Schicksal der Bauerstochter zu distanzieren. So schafft es die Autorin, auch jene Lesenden in die Handlung hineinzuziehen, die selbst nur wenig Erfahrung mit dem Leben im Dorf haben. Auffallend ist auch der sparsame Umgang mit Worten, der die Erzählung aus der Sicht der einfachen Frau glaubhaft macht. Dorf ohne Franz ist ein seltenes Beispiel großer Erzählkunst, die ganz ohne sprachliche Schnörkelein auskommt.
Im Podcast Gespräch für Das Litrophon erzählt die Autorin über die Entstehung und Hintergründe ihres Romans.
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