„Durch das direkte Feedback vom Publikum kann man den eigenen Text besser einordnen“ – Stichwort Poetry Slam: Drei Fragen an Elias Hirschl

Foto @ Bäckerei Poetry Slam

Elias Hirschl ist Romanautor, Slam Poet, Musiker und schreibt fürs Theater. 2014 wurde er österreichischer Meister im Poetry Slam und ist seit mehreren Jahren erfolgreich mit Spoken Word-Texten auf Bühnen in ganz Europa unterwegs. Im Kurzinterview erklärt er, was dieses Format für ihn ausmacht und welche Auftritte von Kolleg*innen ihn besonders beeindruckt haben.

Wie bist du zum Poetry Slam gekommen?

Zum ersten mal mit Poetry Slam in Berührung gekommen bin ich durch einen Kreatives-Schreiben-Kurs in der Schule. Ich hab daraufhin vor allem auf Youtube ziemlich viele Videos von deutschen Slam Poet*innen gesehen, die mich in ihrer Direktheit und Lebendigkeit sehr beeindruckt haben und hab dann irgendwann im Literaturhaus Wien beim „Slam B“ vorbeigeschaut, der damals monatlich stattfand, und hab dort meine ersten Textversuche auf einer Bühne ausprobiert.

Was macht für dich das Besondere an diesem Format aus?

Das Besondere am Format Poetry Slam ist für mich die direkte Konfrontation mit dem Publikum. Das war vor allem am Anfang überraschend, weil ich ein ziemlich eingestaubtes Bild von Literatur hatte und mir dachte, dass das nur schriftlich auf Papier stattfindet und die einzige Reaktion die man kriegt ist von einem Verlag, der sich vielleicht ein halbes Jahr nach Einsendung des Manuskripts mal mit einer Absage meldet.
Beim Slam hat man einfach direkt ein Feedback vom Publikum und egal ob es ein negatives oder positives ist, man kann dadurch seinen eigenen Text einfach besser einordnen und verstehen, sieht wo er besser oder weniger gut funktioniert und kann vor allem auch sehr viel spontaner auf Dinge reagieren und mit aktuelleren, kurzlebigeren Themen arbeiten als zum Beispiel mit Romanen.

Welche Performance hat dich am meisten beeindruckt?

Von den Slam-Perfomances die ich bisher gesehen habe, beeindrucken mich immer noch vor allem einige Slam Poet*innen aus dem romanischen Raum, vor allem Italien, Spanien und Portugal. Generell wird außerhalb des deutschsprachigeren Raums sehr viel mehr mit Bewegung, Ausdruck und Spoken Word gearbeitet, auch weil das Zeitlimit dort meistens nur drei Minuten lang ist, anstatt der fünf bis sechs Minuten bei uns. Den Mailänder Slam Poet Simone Savogin, den ich das erste mal bei den Europäischen Meisterschaften in Estland erleben durfte, halte ich da wirklich für einen der besten Poeten, was seine gesamte Performance mit Text, Ausdruck, Körpersprache und Rhythmus betrifft.

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