Wo die Liebe hinfällt: Markus Grundtners Die Dringlichkeit der Dinge

REZENSION Barbara E. Seidl 26. August 2022

Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Dating-Apps haben sich gefinkelte Algorithmen ausgedacht, um perfekte Matches zu finden, dabei genügt es oft, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. So wie Mathias und Klaudia, die beiden Protagonisten in Markus Grundtners Debütroman Die Dringlichkeit der Dinge, die sich zufällig bei einer Bücherbox kennenlernen. Das Buch, das sie schließlich zusammenbringt, ist Italo Svevos Zenos Gewissen, ein Buch, das, wie der Autor bemerkt, aus dem Alltag eines Triestiner Geschäftsmanns Weltliteratur gemacht hat und das bei Grundtner zum Buch im Buch wird.

Mathias und Klaudia hätten wohl kaum über eine Dating-App zueinander gefunden. Er, ein junger Wiener Anwaltsanwärter, der das Leben mithilfe von Paragraphen zu verstehen sucht, sie, eine um zehn Jahre ältere Italienischlehrerin aus Triest mit Hang zu spontanen Entscheidungen. Ihre Gegensätzlichkeit wirbelt das Leben der beiden ordentlich durcheinander, zumal sie das Schicksal sehr bald vor eine große Herausforderung stellt.

In Die Dringlichkeit der Dinge verknüpft Markus Grundtner einmal mehr seinen eigenen juristischen Hintergrund mit pointierter Erzählkunst. Der beißende Juristenjargon, der bereits in Kurzgeschichten seinen unverwechselbaren Stil auszeichnete, kommt auch in seinem Debütroman wieder unterhaltsam zur Geltung. Mit viel Sprachwitz und Situationskomik verknüpft der Autor Juristenroman und Liebesgeschichte.

Grundtners Figuren sind nicht unbedingt sympathisch, jedoch liebenswert lebensnah. Wenn auch die Rollenverteilung zwischen Mathias und Klaudia ein wenig klischeehaft ist, lässt der Autor seinen Figuren ausreichend Spielraum zur Weiterentwicklung. So gibt der Schlagabtausch zwischen den beiden auch reichlich Anstoß um über die eigenen Prioritäten im Leben nachzudenken.

Die Dringlichkeit der Dinge ist ein origineller, sehr unterhaltsamer Liebesroman, der Lust auf einen Kurzurlaub in Triest macht.


Markus Grundtner, Die Dringlichkeit der Dinge, Edition Keiper 2022, 230 Seiten, €22 (AT).

Interview mit dem Autor

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