Überleben: Sarah Raichs All that’s left

REZENSION Barbara E. Seidl 22. Jänner 2022

Die Welt, wie wir sie heute kennen gibt es nicht mehr. Der Großteil des Lebens auf der Erde ist ausgelöscht oder unerträglich geworden. Hitze, Orkane und Seuchen haben den Planeten im Jahr 2059 beinahe unbewohnbar gemacht. Es ist ein düsteres Bild, das Sarah Raich in ihrem Jugendroman All that’s left von der gar nicht so fernen Zukunft zeichnet: eine Dystopie, die nicht allzu weit hergeholt scheint. Inmitten einer nach Klimakatastrophen zerstörten Welt ist die fünfzehnjährige Mariana im Haus ihrer Eltern in Sicherheit. Ihre Eltern sind zwar verschwunden, aber das Haus ist technisch ausgeklügelt gestaltet und es fehlt ihr weder an Nahrung noch an Wasser. Doch wofür das alles, wenn es keine Zukunftsperspektiven gibt? Eines Tages bricht der gleichaltrige Ali bei ihr ein. Der möchte allerdings nicht im Haus bleiben, sondern lieber ans Meer, nach Triest. Als Ali eines Morgens wieder weg ist, beschließt Mariana, ihm in die feindliche Außenwelt zu folgen.

Sarah Raich, 1979 geboren, studierte in Berlin Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften und arbeitete danach als Kreative in Agenturen. Ihr prosadebüt „Dieses makellose Blau“ erschien 2021.

Sarah Raich, All that’s left. Piper 2021,
328 Seiten, €16,50.

Die Landschaft, die Mariana, oder ZiZi, wie sie sich lieber nennt, auf ihrem Weg von München Richtung Süden vorfindet, birgt zahlreiche offensichtliche wie versteckte Gefahren: idyllisch anmutende Seen sind mit Bakterien verseucht, die hohen Temperaturen sind durch den vorherrschenden Wassermangel noch schwerer zu ertragen. Doch die größte Bedrohung geht von anderen Menschen aus. Anstatt zusammenzuhalten, herrscht Mißtrauen und Tyrannei unter den Überlebenden, wobei verrückt gewordene Einzelkämpfer genauso gefährlich sind wie hierarchisch strukturierte Banden.

Den trostlosen Bedingungen hat die Autorin mit ZiZi eine mutige Heldin gegenübergestellt, die sich auf ihrer Reise nicht nur zu behaupten lernt, sondern schließlich über sich hinauswächst. Mit einem Touch von The Hunger Games und einem Hauch von Mad Max: Jury Road hat Sarah Raich einen hochaktuellen Roman geschaffen, der die Leser:innen bis zum Schluss in Atem hält.

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