Triggerwarnungen – wie bitte?

Trigger-Warnungen werden hierzulande vor allem mit Streaming-Diensten verbunden, wo vorangestellte Hinweise die Seher:innen davor warnen, welche (re)traumatisierenden Inhalte sie in Filmen oder Serien erwarten. Nun werden solche Hinweise in den USA auch bei Büchern vermehrt auf Titel- oder Rückseite gesetzt – ein Trend der auch in Europa bereits übernommen und teils heftig diskutiert wird. Macht es Sinn, Leser:innen zu warnen, dass das, was sie im jeweiligen Buch zu lesen bekommen, alte Wunden wieder auffrischen könnte? Der Haymon Verlag denkt, dass das durchaus richtig und wichtig ist. Warum das so ist, erläutert Katharina Schaller.

Katharina Schaller, Magazin des Haymon Verlags

Triggerwarnungen für Bücher werden heiß diskutiert. Vielen schmeckt es nicht, dass wir solche Hinweise auf der Rückseite unserer Bücher anbringen. Aber warum eigentlich? Trigger, das sind bestimmte Thematiken, die zu einer Retraumatisierung betroffener Personen führen können. Das bedeutet: Wenn jemand sexualisierte Gewalt erlebt hat, kann diese Person das Lesen darüber traumatisieren (muss es jedoch nicht). Wenn ein Mensch Rassismus erfährt, kann ihn das Lesen darüber traumatisieren (muss es jedoch nicht). Wenn es im persönlichen Umfeld einer*s Lesers*in einen Suizid gegeben hat, kann sie*ihn das Lesen darüber traumatisieren (muss es jedoch nicht). Diese Personen sind betroffene Menschen. Um diese Menschen dabei zu unterstützen, besser entscheiden zu können, ob sie die Inhalte konsumieren wollen, geben wir Hinweise auf triggernde Thematiken. Diese sind sehr dezent. Auf der Rückseite des Buches steht dann: „Triggerwarnung siehe Seite xxx“. Im Impressum des Buches werden die Trigger angeführt. Das sieht zum Beispiel so aus: „Triggerwarnungen nehmen auf Menschen mit traumatischen Erfahrungen Rücksicht. Aus subjektiver Sicht können diese Trigger von Bedeutung sein oder nicht, unabhängig davon, in welchem Kontext oder Medium sie sich finden. Auch fiktive Texte, wie zum Beispiel Romane, können triggern. Wir weisen deshalb an dieser Stelle auf Trigger im vorliegenden Buch hin: xxx Geschichte konfrontiert dich mit Suizid.“

Wir denken so: Menschen, die betroffen und auf der Suche nach einem solchen Hinweis sind, finden ihn. Menschen, die nicht betroffen sind, können den Hinweis problemlos überlesen. Es gibt bereits viel positives Feedback dazu. Menschen haben sich bedankt und sich gefreut, entsprechende Informationen vorab erhalten zu haben. Und ja, es gab auch Aufschreie, die sich gegen die Triggerwarnungen richten. Warum genau, ist für uns nicht nachvollziehbar. Nicht betroffene Menschen werden hier nicht angesprochen. Für uns als Verlag hat das auch etwas mit Empathie zu tun, mit Verantwortung. Und: Wir kennen so viele Buchhändler*innen, die erzählen, dass Käufer*innen Bücher zurückgebracht haben, weil ihnen nicht klar war, dass bestimmte Themen behandelt werden. Triggerwarnungen sind ein Service für die Leser*innen, um eigenverantwortlich entscheiden zu können, ob sie Inhalte konsumieren wollen oder nicht. Bei Filmen gibt es das schon entsprechend lange. Zum Beispiel Altersfreigaben aufgrund von dargestellter Gewalt etc. Bei Literatur gibt es keine Altersfreigaben, aber es gibt Empfehlungen von Buchhändler*innen, es gibt Informationen, die man mitgeben kann. Und wieso sollten wir das nicht tun?

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