Glanz und Glamour: Emily Waltons Miss Hollywood

REZENSION Barbara E. Seidl, 20. Juni 2021

In den Anfangstagen der Filmindustrie galt Mary Pickford als eines der bekanntesten und beliebtesten Gesichter Hollywoods. So wurde die zierliche Frau mit dem Spitznamen „America’s Sweetheart“ zu einem der ersten Hollywoodstars. Die blondgelockte Schauspielerin war auch noch mit Mitte Zwanzig in Kinderrollen zu sehen und verkörperte lange Zeit das Image von Unschuld und Zerbrechlichkeit. Doch wer war die Frau hinter dem Engelsgesicht und wie ging sie mit den an sie gestellten Erwartungen um?

In ihrem über fünfhundert Seiten starken Roman Miss Hollywood – Mary Pickford und das Jahr der Liebe erweckt Emily Walton die Stummfilmikone zum Leben. So sind die Leser:innen auch hautnah mit dabei, als aus dem einstige Kinderstar und Liebling der Nation eine selbstbewußte Frau wird, der es gelingt sich von ihrem kontrollierenden Umfeld – nicht zuletzt auch von der dominanten Mutter – zu lösen und schließlich zur ersten Filmproduzentin aufzusteigen.

Emily Walton, Miss Hollywood – Mary Pickford und das Jahr der Liebe, Heyne Verlag 2021, 544 Seiten, € 13,90
Emily Walton wurde 1984 in Oxford, England geboren. Sie hat in Wien Journalismus und Germanistik studiert und arbeitet als freie Journalistin und Autorin. 2016 erschien ihr Debüt, die Romanbiografie »Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte«. Sie wurde mit diversen Stipendien und Preisen ausgezeichnet. Besonders haben es ihr die Geschichten beeindruckender Frauen wie Mary Pickford angetan, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Mit ihren Büchern will Emily Walton sie wieder lebendig machen. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Wien.

Katalysator für diese Wandlung ist Marys Liebe zu Douglas Fairbanks, eine skandalträchtige Geschichte, denn zunächst sind beide Schauspieler noch anderwärtig verheiratet.

Emily Waltons Miss Hollywood ist gespickt mit gut recherchierten Hintergrundinformationen, die die Glanzzeit der Stummfilmära lebendig werden lassen. Die zwischen Mary und Douglas wechselnde Perspektive vermittelt einen guten Eindruck von der inneren Zerrissenheit des Liebespaares, das, zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichen Wünschen hin-und hergerissen, auch die eigene Karriere aufs Spiel setzt. Damals wie heute wird die Frau dabei freilich mit anderen, strengeren Maßstäben gemessen als der Mann.

Miss Hollywood ist eine unterhaltsame Sommerlektüre, eine authentisch erzählte Liebesgeschichte voll altem Glanz und Glamour. Ein Buch, das Lust darauf macht, wieder einmal einen alten Stummfilm zu sehen.


Barbara E. Seidl ist freie Autorin, Literaturwissenschaftlerin und Trainerin für Deutsch und Englisch als Fremdsprache.

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